Gespräch mit Jutta Himmelreich, der Übersetzerin des Romans „Tarlan“ von Fariba Vafi

Das Gespräch führte Gesa Staat für die Deutsch-Iranische Gesellschaft (DIrG)

DIrG: Haben Sie sich bei der Übersetzung von „Tarlan“ mit Frau Vafi kurzschließen und austauschen können?
Jutta Himmelreich (J.H.): In diesem Fall war es nicht notwendig, wäre aber jederzeit möglich gewesen. Frau Vafi und ich waren uns aber zuvor bereits bekannt. Das ist ja der große Vorteil an Übersetzungen zeitgenössischer Autoren, dass man direkt Fragen stellen kann.

DIrG: Wie kamen Sie dazu, „Tarlan“ von Fariba Vafi zu übersetzen?
J.H.: Ich bin immer auf der Suche nach guter Literatur aus dem globalen Süden und verstehe mich als Diplomatin im Dienste der Weltliteratur, auch durch Lesungen und Fortbildungsveranstaltungen wie Übersetzerworkshops; Schulveranstaltungen, etc. Ich bin sehr um die Förderung und Verbreitung dieser Literatur bemüht.
Daher bin ich mit Literatur von Fariba Vafi vertraut und seit 2005 bemüht, einen Verleger zu finden. Zuvor war ich auf Vafis ersten Roman „parande-ye man“ aufmerksam geworden; SAID hatte diesem Roman im Rotbuchverlag zum Durchbruch verholfen. Es wurde vereinbart, der nächste Roman solle dann von mir übersetzt werden. Die Rechte übertrug man später dem Sujet-Verlag.

DIrG: Haben Sie den Roman „Tarlan“ zuerst komplett auf Persisch gelesen und wenn ja, vor oder nach Ihrem Entschluss, ihn ins Deutsche zu übersetzen?
J.H.: Ich war sehr begeistert von Ihrer Arbeit und brauchte den Roman nicht erst komplett zu lesen. Die Termine sind meist so eng gelegt, dass ich mir keine Zeit dafür nehme einen Roman komplett zu lesen, für dessen Übersetzung ich mich entschieden habe. Wenn der Verlag einen Übersetzungsauftrag an mich herangetragen hat, dann habe ich ihn bisher immer angenommen.

DIrG: Wie schätzen Sie die Thematik des Romans „Tarlan“ im Vergleich zu anderen von Ihnen ins Deutsche übersetzten Werken ein?
J.H.: Da ich mit der Literatur des globalen Südens befasst bin, geht es immer um Themen, die Freiheit, Gleichberechtigung und die Beziehung der sogenannten Peripherie zum sogenannten Zentrum thematisieren. Frau Vafis Romane handeln unter anderem vom Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung und das sind Themen, die auch in der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika beständig wiederkehren.

DIrG: Wie würden Sie den Schreibstil Fariba Vafis beschreiben?
J.H.: Der Stil ist einfach, eingängig; in ruhigem, unaufgeregtem Ton, ohne Wertung und ohne Anklage aber mit seinen versteckten Botschaften ungemein eindringlich.

DIrG: Aus welchen Sprachen übersetzen sie Literatur ins Deutsche?
J.H.: Englisch, Französisch, Spanisch, Farsi und Dari.

DIrG: Vielen Dank!

Für weitere Informationen über Jutta Himmelreich und ihre Arbeit verweisen wir auf ihre Website.