Rezension zu „Voll verschleiert!“

Von Peter Philipp

Frankreichs multikulturelle Gesellschaft mit ihren diversen Problemen ist bereits des Öfteren im Kino thematisiert worden. Wobei nicht selten die Kluft zwischen den orientalischen und nordafrikanischen Einwohnern der ärmeren ´banlieues´ und dem ´Rest Frankreichs´ im Vordergrund stand. Genau dies wollte Sou Abadi in ihrem ersten Spielfilm vermeiden, einer Komödie, die am 28. Dezember in die deutschen Kinos kommt: „Cherchez la femme“ (deutscher Titel: „Voll Verschleiert!“) konzentriert sich nicht auf die – natürlich weiterhin bestehenden – sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede, sondern er spielt in den besseren Kreisen der Immigrations-Bourgeoisie:
Buch und Regie sind von der 49-jährigen bisherigen Dokumentarfilmerin Abadi und sie weiß, wovon sie spricht: Die Tochter eines iranischen Kommunisten kam im Alter von 15 kurz nach der iranischen Revolution nach Frankreich und sie gibt offen zu, dass vieles in ihrem Film auf eigenen Erlebnissen und Erfahrungen basiert:
Da ist das Paar kommunistischer Exiliraner, das längst in der französischen Gesellschaft angekommen ist und dessen Sohn, Armand, Wirtschaftswissenschaften studiert. Und da ist Laila, moderne und modisch bewusste Kommilitonin und Freundin von Armand, die nach dem Tod der aus Nordafrika stammenden Eltern – auch sie ehemals Kommunisten – mit ihren beiden Brüdern lebt. Der ältere, Mahmoud, übernimmt die Führungsrolle in der Familie, als er von einem längeren Besuch im Jemen zurückkehrt, wo er sich allerdings einer islamistischen Ausrichtung zugewandt hat.
Armand und Laila bekommen das Angebot, ein Praktikum am Sitz der Vereinten Nationen in New York zu machen, wie aber sollen sie ihre Familien über ihre Beziehung aufklären? Überhaupt: Wie sollen sie sich weiter treffen, seit Lailas Bruder jeden Umgang mit einem Freund unterbinden will und plant, seine Schwester anderweitig zu verheiraten?
Armand hat eine rettende Idee: Er verkleidet sich mit einem Niqab als Frau und beginnt, Laila Besuche abzustatten. Deren Bruder schöpft keinen Verdacht, sondern er verknallt sich in die mysteriöse „Freundin“ seiner Schwester und will diese unbedingt heiraten. Das Unheil droht, seinen Lauf zu nehmen. In einer atemberaubenden Folge von Szenen voller Komik erreichen alle letztlich aber doch einen Kompromiss: Areligiöse mit der Religion, Sunniten mit Schiiten, Moderne mit Traditionalisten.
Das war das Ziel, das Sou Abadi sich gesetzt hatte. Wobei sie auch nicht auf Kosten anderer lachen wollte. In einem Interview meint sie:
„´Voll Verschleiert!´ ist eine Geschichte über Versöhnung. Über wen ich mich darin lustig mache? Über mich selbst. Und Kommunisten, Feministen, Iraner, die intellektuelle Elite und Fundamentalisten. Und zwar in der Hoffnung, dass wir letztlich alle zusammen darüber lachen können.“